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Leserbrief zum Artikel Faschismus und Demagogie: Von oben arrangiert vom 08.01.2019:

Glas Wasser

Es muss vermutet werden, dass das Sendungsbewusstsein der Eliten seinen Ursprung in einer tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung hat. Wie sonst könnte jemand auf die Idee kommen, dass er dazu berufen ist, andere zu führen, über andere zu herrschen, das Leben anderer zu gestalten? Ein weiteres Indiz ist die Art und Weise, mit der die politischen und wirtschaftlichen Machthaber in Deutschland »ihre« Bürger und Bürgerinnen erziehen, artikuliert durch die Systemmedien (Rundfunk, Presse, Schulen, Universitäten, »Denkfabriken«).
So kontern die Eliten die Zweifel des Volkes an den Arbeitsflexibilisierungsgesetzen mit der Frage: »Wo ist das Problem? Ist keine Arbeit haben etwa besser als überhaupt Arbeit zu haben?« Man darf annehmen, dass sich die Eliten bei diesem dialektischen Monolog mit dem Volk auch noch hochbegabt und ganz schlau vorkommen. Eliten sind die ganz da oben. Wahrscheinlich deswegen – wegen der Entfernung – haben sie nicht mitbekommen, dass das Volk nicht mehr aus Zweite-Klasse-Grundschülern besteht, die man mit der Ansage: »Seid froh, dass ihr überhaupt was bekommt!« abspeisen kann. Es geht nicht darum, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Es geht darum, dass das Volk für ein volles Glas bezahlt. Wenn die Eliten, die Eigentümer Deutschlands, vertreten durch den deutschen Staat, dem Volk dieses volle Glas nicht liefern wollen, dann wird das deutsche Volk einen anderen Staat schaffen und die Eigentumsverhältnisse in diesem Land geraderücken.
Buenaventura Durruti

Kommentar jW:

Zu diesem Brief schrieb Harald Möller:

Ich habe immer grundsätzliche Schwierigkeiten mit dem Begriff »Volk«. Das Wort suggeriert, dass die Menschen, die so bezeichnet werden, ein monolithischer Block sind, mit den gleichen Wünschen, Bedürfnissen und Meinungen. Statt dessen leben in Deutschland 82 Millionen Einzelbürger. Jeder hat seine eigene Meinung, eigene Wünsche und Bedürfnisse. Eine vielfältige Gesellschaft halt. Deshalb wird dieses »deutsche Volk« auch nie in der Lage sein, einen »anderen Staat« zu schaffen, weil es nicht einheitlich agiert, zumal »anders« nicht unbedingt bedeutet, dass es auch besser sein wird. Im übrigen: Kommen die »Eliten« und das »Volk« denn wirklich aus zwei gegenseitig abgeschotteten Welten? In vielen Familien findet man Beispiele, dass die Eltern aus dem »Volk« kommen, die Kinder aber den Sprung in die »Eliten« geschafft haben. Genauso wie es Gegenbeispiele gibt. Die Trennung zwischen »Volk« und »Eliten« ist heute bei weitem nicht mehr so stark wie noch vor 40 oder 50 Jahren, zumal auch der Begriff der »Eliten« sehr ungenau ist. Was ist denn genau die Definition des Begriffes »Eliten«, und wo ist genau die Trennlinie zwischen der »Elite« und dem »Volk«?
Harald Möller, per E-Mail

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