Aus: Ausgabe vom 20.01.2017, Seite 15 / Feminismus

Kein Geld für Frauen

Spanische Behörde streicht Stipendien für Genderstudien und Programme zur Förderung der Chancengleichheit an den Universitäten

Von Carmela Negrete
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»Genug«: Maskierte Studierende bei Aktion gegen geschlechtsspezifisch ausgeübte Gewalt am 26. November in Oviedo

Das spanische »Institut der Frau und für die Chancengleichheit« (Instituto de la Mujer y para la Igualdad de Oportunidades) hat Subventionen und Promotionsstipendien für Genderstudiengänge der Universitäten gestrichen. Das berichtete vergangenen Freitag unter anderem die Zeitung El Diario in ihrer Onlineausgabe. Das Institut ist dem Ministerium für Gesundheit, Soziales und Gleichstellung unterstellt.

Die Finanzierung von feministischen Studien, die sich mit machistischer Gewalt oder der Gleichberechtigung von Frauen befassen, ist damit in Gefahr. Auch Stipendien für Studenten entsprechender Fächer gibt es zur Zeit nicht mehr. Im Haushalt des Instituts waren 2016 dafür 300.000 Euro vorgesehen, dazu kommen EU-Gelder oder Mittel für die Regionen. Fehlt aber die Grundfinanzierung, können auch die ergänzenden Mittel nicht in Anspruch genommen werden.

In einer Erklärung des Instituts vom 19. Dezember heißt es, die Zahlungen könnten derzeit nicht weiter geleistet werden – aus »unerwarteten Gründen«. Es wird auf eine Anordnung des Finanzministeriums und die Notwendigkeit verwiesen, die Sparauflagen der Europäischen Kommission umzusetzen. Trotz einer angeblichen Erholung der Wirtschaft des Landes – das Bruttoinlandsprodukt soll 2016 um fast drei Prozent zugelegt haben – müsse man weiter sparen.

Professorin Rosa San Segundo, Chefin des Instituts für Genderstudien der Universität »Carlos III« in Madrid, erklärte gegenüber El Diario, es gebe für dieses Jahr keine Gelder für die Masterstudiengänge in ihrem Bereich. Das gleiche gilt für alle geplanten Kurse, Workshops, Seminare und Kongresse. Sie können deshalb nicht mehr stattfinden.

Die Fraktion der Sozialdemokraten von der PSOE (Partido Socialista Obrero Español, Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) haben Rosa Urbón, Direktorin des Instituts der Frau, aufgefordert, die Kürzungsmaßnahmen zu begründen. Ángeles Álvarez, Sprecherin für Gleichheit der PSOE-Fraktion im Parlament, sagte dem Radiosender Cadena SER, ein Ende der Subventionen würde »das Aus für die betroffenen Fakultäten und für die Recherche im Genderbereich bedeuten«. Die Abgeordnete der Fraktion der Linkspartei Podemos, Rita Bosaho, verlangte ebenfalls eine Erklärung der regierenden konservativen Volkspartei (Partido Popular, PP). Die Genderstudien seien unverzichtbar, um Gleichheit voranzutreiben und geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.

Die PP von Regierungspräsident Mariano Rajoy hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, was sie vom Feminismus hält. So versuchte sie in den letzten Jahren beispielsweise, das zuvor von der PSOE liberalisierte Abtreibungsrecht wieder zu verschärfen – stieß allerdings selbst in den eigenen Reihen auf Widerstand. Als die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero 2005 gleichgeschlechtliche Ehen erlaubte, betonte der damalige Oppositionsführer Mariano Rajoy, die Ehe sei »immer eine Institution für Frau und Mann« gewesen.

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