Aus: Ausgabe vom 10.01.2017, Seite 8 / Ansichten

Kanzlerkandidat des Tages: Sigmar Gabriel

Von Sebastian Carlens
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Volle Dröhnung Siggi: Für einen, der nicht genau weiß, ob er – frei nach Gerhard Schröder – »Kanzler will«, ist der SPD-Vorsitzende am Anfang dieser Woche omnipräsent. Ein Essay in der Montags-FAZ verspricht ein »grundlegend anderes Konzept« als das des Innenministers zur »inneren Sicherheit«. Im aktuellen Spiegel äußert sich der Politiker staatsmännisch, aber auch verletzlich (»gleicher Anspruch auf Schutz der Persönlichkeitssphäre«). Tiefe Einsichten offenbart ein Bonmot in eigener Sache im Tagesspiegel: »Wenn man zehn Leute fragt, dann sagen fünf: ein Supertyp. Und fünf sagen: ein Riesenarschloch.«

Man ist geneigt, ihm letzteres zu glauben. Doch »Supertyp«? Wer findet denn sowas? Naja, vielleicht mag ihn seine Frau. Ansonsten aber – und glauben Sie es nicht, nur weil es hier steht, sondern fragen Sie nach, im Freundes- und Verwandtenkreis, unter den Kollegen – wird es schwer werden, auch nur drei Personen aufzutreiben, die Gabriel sympathisch finden, ohne dass sie Geld für diese Behauptung bekommen.

Er macht es einem auch nicht leicht. Gegen de Maizières Zwangsphantasien hat Gabriel im Grunde nichts einzuwenden, auch den Minister selber schätzt er »wirklich sehr«. Für einen »starken Staat« ist der SPD-Chef ebenfalls: »Sicherheit ist ein soziales Bürgerrecht«. Warum also Gabriel wählen und nicht wieder Merkel? Schwierig. Auch die hat, so Gabriel, »große Verdienste«.

»Du musst es wollen«, sagt Gerhard Schröder. Und der muss es wissen. Will Gabriel und kann nicht? Kann er zwar, will aber nicht? Paart sich hier gar Unwille mit Unvermögen? Oder hat er sich längst entschieden, möchte das aber noch ein wenig geheimhalten?

So ist das bei der SPD. Einer muss den Bluthund machen, ein anderer den Arbeitermörder, ein dritter wird Kanzler der »inneren Sicherheit«. Irgendwer hat noch immer gewollt.

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