Aus: Ausgabe vom 07.01.2017, Seite 6 / Ausland

Terror gegen Damaskus

Dschihadisten torpedieren Wasserversorgung der syrischen Hauptstadt

Von Karin Leukefeld
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Damaskus nach dem Angriff auf die Quelle Al-Fidschah: Anwohner füllen sich an einer Leitung Trinkwasser ab (Genaues Datum der Aufnahme unbekannt)

Die dschihadistische Nusra-Front und mit ihr verbündete Gruppen haben die Kontrolle über die Quelle Al-Fidschah, die die syrische Hauptstadt Damaskus seit Jahrtausenden mit Wasser versorgt. Mit der Sprengung der Pumpstation und der Verunreinigung des Wassers wollen sie den von der Türkei, Iran und Russland ausgehandelten Waffenstillstand torpedieren. Die Verhandlungen, die für den 23. Januar im kasachischen Astana vorgesehen sind, wollen sie zum Scheitern bringen, weil die Nusra-Front auch unter ihrem neuen Namen »Dschabhat Fatah Al-Scham« dort nicht am Tisch sitzen soll. Syrische Kämpfer, die ihre Waffen niederlegen wollen, sollen zudem wieder in deren Gefolgschaft gezwungen werden.

Das syrische Außenministerium hat die Lage im Barada-Tal am Donnerstag dem UN-Generalsekretär und dem UN-Sicherheitsrat erläutert. Laut ihrer schriftlichen Stellungnahme hätten »die Nusra-Front und die mit ihr verbündeten kriminellen Banden (…) am 24. Dezember 2016 die wichtigste Pumpe an der Al-Fidschah-Quelle gesprengt und das Wasser mit Diesel verseucht«. Infolge der Zerstörung seien 5,5 Millionen Menschen in Damaskus von »80% der Wasserressourcen« abgeschnitten. Damaskus fordere eine Verurteilung dieses »Kriegsverbrechens« und von der UNO Unterstützung, um die Wasserversorgung für Damaskus wiederherstellen zu können.

Auch Jan Egeland, Der UN-Hilfskoordinator für Syrien, erklärte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Genf, dass die Unterbrechung der Wasserversorgung für Damaskus ein Kriegsverbrechen sei. Ob die Unterbrechung auf »Kämpfe, Bombardierungen oder Sabotage der bewaffneten Gruppen« zurückzuführen sei, könne er nicht sagen. Die UN brauche jedenfalls »Zugang zu dem Gebiet, um zu untersuchen, was geschehen ist und – vor allem - um die Wasserversorgung wiederherzustellen.«

Die in Istanbul ansässige »Nationale Koalition der oppositionellen und revolutionären Kräfte in Syrien« (Etilaf) beschuldigte in einer Presseerklärung vom Donnerstag erneut das »Assad-Regime« und »Milizen der Hisbollah«, die Waffenruhe zu brechen. »Aktivisten im Barada-Tal« hätten geschildert, dass die syrische Luftwaffe »direkt die Fidschah-Quelle« bombardiert habe.

Tatsächlich wird die Quelle bereist seit vier Jahren von bewaffneten Gruppen kontrolliert, wiederholt wurde die Wasserversorgung als Druckmittel benutzt, wie UNICEF am Freitag in einer Erklärung bestätigte. Für die syrische Armee und ihre Verbündeten war ein Angriff auf die Quelle tabu. Immer wieder wurde mit den bewaffneten Gruppen verhandelt, um die Wasserversorgung für die Hauptstadt sicherzustellen.

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