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Lügen durch Weglassen
Viele Medien geben sich keine große Mühe mehr zu verschleiern, wessen Interessen sie vertreten
Was Sie sich nicht vorstellen müssen, weil es passiert ist: Das Flugzeug von Boliviens Staatschef Evo Morales wurde am Mittwoch zur Landung in Wien gezwungen und 13 Stunden lang dort festgehalten. Die Berliner Zeitung berichtet am Donnerstag auf Seite eins kurz darüber und benennt gleich im ersten Satz den Verantwortlichen für dieses Kidnappig: »Der ehemalige US-Geheimdienstmann Edward Snowden hat weitere diplomatische Verwicklungen auf höchster Regierungsebene ausgelöst…« Der aber saß bekanntlich nicht einmal in der Maschine. Und vor allem hat er nicht den Einfluß, europäische Mächte zu solchen Schweinereien zu zwingen. Da ist ein anderer Herr verantwortlich, der am vergangenen Mittwoch außerdem in Pakistan ein Wohnhaus per Drohnen bombardieren ließ. Es war der 15. und folgenschwerste illegale Angriff der US-Regierung auf Pakistan in diesem Jahr. Das interessiert die Berliner Zeitung nicht weiter: In ihrer Printausgabe vom Donnerstag keine Zeile dazu. Springers Die Welt schafft es immerhin, dieses Verbrechen auf Seite sieben kurz zu melden, allerdings mit folgender Überschrift: »Extremisten bei US-Drohnenangriff getötet«. Ein Wohnhaus wird bombardiert, woher weiß Die Welt denn, wer die Opfer sind? Im Bericht heißt es dann, daß unter den Toten »vier Mitglieder des extremistischen Hakkani-Netzwerkes« seien. Auch dies sind lediglich Informationen des Geheimdienstes. Das Internetportal süddeutsche.de spricht immerhin von mindestens 17 Toten und weiter relativierend: »Bei den Toten handele es sich vermutlich um Kämpfer des mit den afghanischen Taliban kooperierenden Hakkani-Netzwerks, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte.« In der Printausgabe der Süddeutschen vom Donnerstag wird der ganze Vorfall dann jedoch in einem Bericht mit dem Titel »Pakistans machtloser Premier« versteckt. Auch dies ist symptomatisch: Die Onlineausgaben sind in der Regel informativer als die Printausgaben. Die in Berlin erscheinende Qualitätszeitung Der Tagesspiegel hingegen hält den Vorgang für so unwichtig, daß sie ihre Leserinnen und Leser weder in der Print- noch in der Onlineausgabe darüber informiert.
Lügen durch Weglassen und Verschweigen. Lügen durch unkritisches Übernehmen des Geheimdienstsprechs. Das ist nicht nur schlechter Journalismus, das dokumentiert auch den Verfall bürgerlicher Werte. Das zeigt sich auch in scheinbaren Kleinigkeiten: Am Freitag berichtete Markus Decker in Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau, Sahra Wagenknecht habe »in einem Interview« von einem »Kampagnenjournalismus« gesprochen, der sich »leider immer wieder auf Stichwortgeber in den eigenen Reihen stützen« könne. Das Interview erschien am Donnerstag in jW. Diese Quelle nennt Herr Decker nicht.
Noch nie war es so leicht, die Medienmaschinerie als Herrschaftsinstrument der Reichen zu entlarven: Der US-amerikanische Präsident kann ganze Nationen in Europa zum Schweigen oder gar zum Mitmachen bei unterschiedlichen Verbrechen bewegen – und es gibt keinen Aufschrei. Aber gleichzeitig ist es so einfach zu erkennen, wer wessen Interessen vertritt. Die Herrschenden geben sich keine große Mühe mehr, ihre tatsächlichen Absichten zu verschleiern. Weil sie nicht mehr damit rechnen, daß Bürger in den europäischen Staaten relevanten Widerstand entwickeln könnten. Und wenn doch, dann wird auch darüber geschwiegen, so wie über die augenblicklichen Kämpfe in Portugal. Widerstand beginnt schon beim richtigen Zeitunglesen. Und beim richtigen Zeitungabonnieren.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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