Liebe Leserin, lieber Leser,
Gesinnungsjustiz ist etwas, das es nach den Maßgaben, die sich dieser formidable Rechtsstaat selbst gibt, gar nicht geben dürfte. Wenn da nicht die jenseits der Verfassung konstruierte Freiheitlichdemokratischegrundordnung wäre, an der Richter und Staatsanwälte sich herbeibiegen können, welches Verhalten nun verfassungskonform ist und welches nicht. So etwas kommt immer wieder vor und betrifft interessanterweise immer nur Leute oder Organisationen, die links der geheiligten Mitte stehen.
Jetzt hat es Ken Merten getroffen, der für diese Zeitung gearbeitet hat und regelmäßig für sie schreibt, der Kommunist ist und Mitglied der DKP. Das reicht, um ihm „fehlende Zuverlässigkeit“ bei der Ausübung einer Tätigkeit als Sicherheitsmitarbeiter im Bewachungsgewerbe zu attestieren, mithin die Ausübung seines Berufs zu verbieten. Grundlage solcher Beurteilungen sind Einschätzungen des Inlandsgeheimdienstes. „Der Geheimdienst schreibt sich bei der Verfolgung von Marxisten die Urteile selbst“, schreibt Arnold Schölzel dazu in seinem Kommentar. Max Grigutsch liefert den dazugehörigen Bericht.
Ken Merten wird am Wochenende in Berlin sein. Er verantwortet das Programm im Literaturzelt auf den „Friedenstagen“ der Wochenzeitung Unsere Zeit. Das Pressest der DKP-Zeitung findet statt von Freitag Abend bis Sonntag vor und im ND-Haus am Franz-Mehring-Platz, Nähe Ostbahnhof. Auch die junge Welt ist zugegen mit einem Stand. Und dort können bereits jetzt Tickets für die kommende Rosa-Luxemburg-Konferenz am 9. Januar 2027 in Berlin-Wilhelmsruh erworben werden. Natürlich nicht nur dort, sondern auch online und im jW-Shop in der Torstraße 6.
Wir sehen uns auf den Friedenstagen, und ansonsten ein schönes Wochenende andernorts.
Daniel Bratanovic
Chefredakteur
Christian Mang
Die nächste Rosa-Luxemburg-Konferenz rückt Kuba in den Mittelpunkt, ohne weltweite Geschehnisse und die Verfasstheit des deutschen Imperialismus zu vernachlässigen. Der Kartenverkauf startet ab sofort. Von Aktion und Kommunikation
xcitepress/IMAGO
Berufsverbot wegen DKP für Autor und Wachmann Ken Merten. Von Max Grigutsch
Luca von Ludwig/jW
Halle-Neustadt war die größte Planstadt der DDR und gilt heute zu Unrecht als »Armenviertel«. Von Luca von Ludwig, Halle (Saale)
Vor 1.500 Jahren starb Gotenkönig Theoderich. Das italische Reich überlebte ihn nur kurz. Von Christian Stappenbeck
Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa
In Ceuta herrscht Pogromstimmung. Hunderte spanische Rechtsextreme sind in die spanische Exklave gereist und haben Zeltlager von Geflüchteten in Brand gesetzt. Die Regierung Sánchez bleibt indes untätig. Von Carmela Negrete
Antonio Balasco/imago
Anklage gegen kurdischen Politiker in BRD
Während in der Türkei eine bedingte Amnestie für PKK-Mitglieder beschlossen wurde, hat die Bundesanwaltschaft gegen den bekannten Repräsentanten der kurdischen Community in Europa, Yüksel Koç, Terrorismus-Anklage erhoben Von Nick Brauns
Sebastian Christoph Gollnow/dpa
»Kontakt mit Bürgern vor Kameras« – das ist bei diesem Bundeskanzler immer eine Hochrisikooperation, die schneller eskalieren kann als das Aufeinandertreffen verfeindeter Ultragruppen in einem Regionalexpress. Von Nico Popp
Hermann Knackfuß/Wikimedia Commons
Das italische Reich des Gotenkönigs Theoderich war ein Balanceakt zwischen ethnischer Absonderung und partieller Integration. Er starb vor 1.500 Jahren. Sein Reich überlebte ihn nur kurz. Von Christian Stappenbeck
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Mieten, die drastisch sinken, sind natürlich schöne Wunschvorstellungen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) forderte am Freitag gegenüber dpa »faire Spielregeln am Markt« und »Verlässlichkeit«, damit »mit der Miete« auch »Projekte umzusetzen« sind.
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dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance
Über die gewerkschaftliche Arbeit im letzten Jahrzehnt der DDR, die Beseitigung des FDGB 1989/90 und die Plünderung des Gewerkschaftsvermögens. Ein Gespräch mit Annelis Kimmel. Von Nico Popp
Volle Auftragsbücher und Beschäftigungszuwächse: Dem deutschen Schiffbau geht es laut der IG Metall seit der »Zeitenwende« blendend; nur fehlen Perspektiven abseits des Militarismus. Von Burkhard Ilschner
Die großen Wirtschaftskapitäne lassen sich die Präsidentschaftskandidaten vorführen. Gemessen am Applaus, ging der Chef von Macrons Partei »Renaissance« Gabriel Attal als Sieger aus der Debatte hervor. Von Hansgeorg Hermann
Flüchtige Pläne halten ihn vom Supermarkt fern. Er instruiert ihn: »Zwei Bund Frühlingszwiebeln und zwei Kabeljaufilets«. Menschen sind oft hilflos, sie können nicht einkaufen. Von Maximilian Schäffer
Viereinhalb Wochen haben seine Ignoranz Merz Urlaub gemacht, während Flüsse ausgetrocknet und Wälder abgebrannt sind und 14.000 Omas im Heim frittiert wurden. Im selben Zeitraum brach der klapprige US-Präsident drei Friedensverträge und zerstörte neunmal den Iran. Von Pierre Deason-Tomory
Die Schlachten Preußens in Mitteleuropa waren fast ein Nebenschauplatz. Aus dem Siebenjährigen Krieg, der vor 270 Jahren begann, ging England als hegemoniale Weltmacht hervor. Von Marc Püschel
Europa Press/IMAGO
Spanien
Nach 1.200 Tagen Arbeitskampf und verheerenden Bränden in Spanien fordern im öffentlichen Dienst beschäftigte Waldbrandbekämpfer die Regionalregierung Madrids abermals dazu auf, ihren Berufsstand und dessen Zweck auskömmlich zu finanzieren.
jW
Konzert
Dienstag, 1. September 2026, 19:00 Uhr
NACHTCAFE – Jazz und Lyrik / Lyrik von Gottfried Benn
Die Verbindung von Musik und Literatur hat Tradition beim Hannes Zerbe Jazz Orchester Berlin, zum Beispiel mit Texten von Brecht, Heiner Müller (Die Hydra und Ajax) oder dem Projekt Industriekultur.
Im Rahmen des Nachtcafes widmen sich Hannes Zerbe, Jürgen Kupke und Heide Bartholomäus an diesem Abend der Lyrik Gottfried Benns. Die drei Künstler verbindet eine langjährige Zusammenarbeit: Jürgen Kupke und Hannes Zerbe sind feste Größen (nicht nur) in der Berliner Jazzszene. Schauspielerin und Sängerin Heide Bartholomäus spielt Theater, synchronisiert Filme und interpretiert hier die Texte Gottfried Benns zusammen mit den beiden Musikern. Eine CD ihrer improvisierten Strecken erschien beim Kölner Label JazzHausMusik.
Heide Bartholomäus – Vocals
Jürgen Kupke – Klarinette
Hannes Zerbe – Piano
Ort: junge Welt-Maigalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin
Beginn: 19.00 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr
Eintritt: 10€ (Ermäßigt: 5€)
Um Anmeldung unter 030 / 53 63 55 54 oder maigalerie@jungewelt.de wird gebeten.