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30.06.2006 / Feuilleton / Seite 13

Siegerkino

Deutschland hat immer noch die besten Nazis: Kleine Filmgeschichte

Alexander Reich
Darf ich an Walter Benjamin erinnern?« fragt Dietrich Kuhlbrodt auf Seite 194 seines neuen Buches: »›Was man vernichten will, das muß man nicht nur kennen, man muß es, um ganze Arbeit zu leisten, gefühlt haben.‹ Und das tut weh.« Dieser Nachklapp auf das Zitat, das Kuhlbrodt 150 Seiten vorher schon mal gebracht hat, ist sein Ansatz beim Schreiben über Nazis im deutschen Kino: Die Filme müssen wehtun. Sonst taugen sie politisch nichts. Wenn einer den Faschismus ausgetrieben kriegt, dann schmerzt das eben.

Bekanntlich gehen die wenigsten mit diesem Anspruch ins Kino. Dafür zahlt man doch keine Karte, daß der Film wehtut! Deshalb werden die Kassenschlager in Kuhlbrodts kleiner Nazifilmgeschichte (von den 20ern bis heute) fast durchweg verspottet. Das geht los mit den Publikumsmagneten der Vor- und Nachkriegszeit: »Der sprechende Titel des ersten Rühmann-Films: ›Das deutsche Mutterherz‹ (1926). Hoffnungslos postpubertierende Männer, hilflos schwankend zwischen...

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