11.03.2006 / Feuilleton / Seite 13

Wenn einer renitent ist ...

Der Fahrkartenkontrolleur, ein widerlicher Zeitgenosse. In Berlin stehen neun Prachtexemplare vor Gericht

Mario Freidank

Gibt es Schlimmeres als Fahrkartenkontrolleure? Nun ja, Atombomben. Aber sonst? Sie sind eine Pest. Eigentlich immer übel gelaunt, wirken sie wie freigelassene Rollkommandos aus Computermetzelspielen. Tag für Tag, sogar nachts, lungern sie auf zugigen Bahnhöfen herum, drängeln sich in rumpelnde, stickige Bahnen, hetzen durch Gänge. Ihr Auftrag: jagen, erwischen, anscheißen – und sei das menschliche Elend, auf das sie treffen, noch so groß. Am Donnerstag standen in Berlin endlich mal einige dieser Typen vor Gericht. Dazu gleich mehr.

Vorher sei noch schnell klargestellt: Es gibt kaum schlimmere Arbeitsplätze. Wer Menschen jagt, die sich öffentliche Verkehrsmittel nicht leisten können, hat es nicht leicht. Er wird belogen, beschimpft, ihm wird Gewalt angedroht. Kein freundliches Wort hört so einer während der Arbeit, keiner bedankt sich, keiner lächelt ihn an. Und der Lohn dafür? Etwa sechs Euro die Stunde. Wie tief muß ein Mensch sinken,...

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