21.11.2005 / Thema / Seite 10

Abschied von der Chancengleichheit

Wandlungen des Gerechtigkeitsbegriffs: Wie der Neoliberalismus die sozialen Wertvorstellungen untergräbt

Christoph Butterwegge

Einerseits ist die Bundesrepublik »Exportweltmeister« und so wohlhabend wie nie zuvor, andererseits herrscht Massenarbeitslosigkeit und hat vornehmlich die Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland deutlich zugenommen. Trotzdem gelten Forderungen nach einer Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten heute als historisch überholt und ideologisch verstaubt. Hier soll nach den Gründen für dieses scheinbare Paradox gefragt und die These überprüft werden, wonach ein unter dem maßgeblichen Einfluß des Neoliberalismus und seiner öffentlichen Meinungsführerschaft stark veränderter Gerechtigkeitsbegriff ausschlaggebend dafür ist, daß die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich ignoriert bzw. die ungerechte Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes akzeptiert wird.


Individuelle Vorsorge


Der Neoliberalismus, ursprünglich nur eine Wirtschaftstheorie, ist zu einer fast die ganze Gesellschaft beherrschenden Sozialphilosophie un...



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