29.03.2005 / Inland / Seite 3

»Willkommen im Marxismus-Leninismus«

Unendliche Geschichte: Die Bodenreform der sowjetischen Besatzungszone – morgen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Günter Platzdasch

Die vor 60 Jahren in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) durchgeführte »demokratische Bodenreform« gehörte zu den heftigen Geburtswehen einer erhofften deutschen demokratischen Republik. Es ist konsequent, daß nach der Beerdigung des DDR-Vermögens durch die Treuhand der Streit um den schon in der SBZ enteigneten Boden am längsten währt. Morgen um zehn Uhr sollen die 16 Richter der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Strasbourg weitere Folgerechtsstreitigkeiten und Gesetzesänderungen auf ein Ende lenken.

In DDR-Büchern findet man die entschädigungslosen Enteignungen von Großgrundbesitzern und Stützen des Nazisystems oft so dargestellt, als seien sie die Umsetzung des KPD-Aufrufs vom 11. Juni 1945 gewesen. Das verdrängt, daß es für die Entmachtung derer, die man als Stützen der Nazibarbarei ansah, Zustimmung weit über die Reihen der Kommunisten hinaus gab. Vor allem aber wird die internationale Konstellation ausgebl...

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