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21.12.2004 / Thema / Seite 10

Zwei zerquetschte Daumen

Die Würde des Menschen war unantastbar: Folter-Rechtfertigungen bundesdeutscher Juristen

Günter Platzdasch

In den achtziger Jahren ging in Frankfurt am Main einmal – vorübergehend – die Würde des Menschen verloren. Am Montag verurteilte in der Mainmetropole ein Gericht den ehemaligen stellvertretenden Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner wegen seiner Folterdrohung gegenüber einem Kidnapper. »Die Würde des Menschen ist unantastbar«, mit diesem Wort beginnt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das vier Jahre nach dem Ende der Nazibarbarei in Kraft trat. Und diese Worte, in Stein gehauen, zierten das Gebäude der Staatsanwaltschaft Frankfurt, wo sie einst des Nachts entwendet wurden, später wieder auftauchten und zurück an ihren alten Platz kamen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft, die in der Tradition des legendären hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer steht, der den Auschwitz-Prozeß betrieben hat, zeigte sich mit ihrer Anklage gegen Daschner nicht wegen Aussageerpressung, sondern nur wegen Verleitung zu schwerer Nötigung (den Straftatbestand d...

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