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13.09.2019 / Feuilleton / Seite 10

Der Mann an Ulbrichts Seite

Zum Tod von Herbert Graf (1930–2019)

Frank Schumann

Er sei der Sohn eines Dissidenten! Darauf legte er großen Wert. Doch sagte er das nur, um zu provozieren, denn der Begriff besaß inzwischen eine andere Bedeutung als noch vor Jahrzehnten. Auf seinem Geburtsschein – ausgestellt am 21. April 1930 vom Preußischen Standesamt Westeregeln – stand nämlich in der Spalte Religion des Vaters »Dissident«. Denn in der DDR war Herbert Graf kein Oppositioneller, sondern bewusst staatstragend. Mit 24 Jahren war er nach dem Ökonomiestudium in Karlshorst in die Regierungszentrale gekommen und Mitarbeiter Walter Ulbrichts geworden. Dies blieb er bis zu dessen Entmachtung. Diese zwei Jahrzehnte gehörten zu den wichtigsten seines Lebens, wie man in seinen Erinnerungen »Mein Leben. Mein Chef Ulbricht. Meine Sicht der Dinge« (2008) nachlesen kann. Wie kaum jemand vor oder nach ihm beschreibt Herbert Graf darin die 50er und 60er Jahre im Spannungsfeld sowjetischer Interessen und westlicher Angriffe. Er war ein Insider, er war d...

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