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11.07.2019 / Schwerpunkt / Seite 3

Ein Jahr nach dem NSU-Prozess

Zwölf Monate nach dem Urteil stehen Mitangeklagte aus der braunen Szene wieder mitten im Leben. Einer, der bereut hat, dagegen noch nicht

Claudia Wangerin

Ein Jahr nach dem Ende des Münchner NSU-Prozesses sind die bekennenden Nazis unter den Mitangeklagten auf freiem Fuß und bewegen sich offen in ihrer alten Szene. Der einzige, der sich nach Meinung von Opferangehörigen glaubwürdig von der braunen Ideologie distanziert und zur Aufklärung beigetragen hat, sitzt unter Zeugenschutzbedingungen in Haft – das bestätigten die Anwälte des 39jährigen Carsten S. diese Woche gegenüber junge Welt. Nicht einmal sie wissen aber, wo und unter welchem Namen ihr Mandant die Jugendstrafe verbüßt, zu der er am 11. Juli 2018 verurteilt wurde, weil er zur Tatzeit um die Jahrtausendwende noch heranwachsend war.

Drei Jahre ohne Bewährung hat S. wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen bekommen, nachdem er gestanden hatte, die spätere mutmaßliche Tatwaffe nach Instruktionen des Mitangeklagten Ralf Wohlleben an die NSU-Terroristen übergeben zu haben.

Wohlleben, der als einziger neben der Hauptangeklagten Beate Zschäpe seit Ende 2011 ...

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