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07.06.2019 / Feuilleton / Seite 10

Ein Torso flüchtet von der Bühne

Livepainting mit Strauss-Walzer: Dimitris Papaioannous »The Great Tamer« bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen

Hans-Christoph Zimmermann

Ein Walzer kann sehr traurig sein. Vor allem, wenn er nur in halbem Tempo gespielt wird. Der griechische Choreograph und Theatermacher Dimitris Papaioannou unterlegt sein Stück »The Great Tamer« mit dem berühmtesten Walzer der Musikgeschichte. Einhundert Minuten lang ertönt immer wieder »An der schönen blauen Donau« von Johann Strauss – allerdings nur die Einleitungstakte und die auch noch in Zeitlupe. Später bleibt davon sogar nur noch ein dekonstruierter Mix aus Akkorden, Klängen und Motivfetzen des Reißers. Der lebenslustige Dreivierteltakt als melancholische Bricolage.

Was akustisch immer wieder beginnt, findet szenisch immer wieder zu einem Ende. Ein Mann legt sich zum Sterben nieder, ein anderer deckt ihn mit einem Leichentuch zu. Ein dritter lässt dann eine Bodenplatte niedergleiten, deren Luftzug das Tuch vom Körper weht. Geburt und Tod als Kreislauf, Anfang und Ende, das sind die ersten Koordinaten dieses bei allem raunenden Chiaroscuro beeindruc...

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