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27.05.2019 / Politisches Buch / Seite 15

Falsches Lob, falscher Tadel

Bilanz und Kritik der Sozialpolitik: »Der soziale Staat« von Renate Dillmann und Arian Schiffer-Nasserie

Arvid Schilde

Im bürgerlichen Sozialstaatsdiskurs gelten die unangenehmsten Härten des Kapitalismus seit der Etablierung der »sozialen Marktwirtschaft« als überwunden. Die »umfassende Sozialpolitik«, kann man manchmal lesen, mache aus der Bundesrepublik ein Schlaraffenland, in dem der »Leistungswille« geradezu erstickt werde. Kritiker wie Christoph Butterwegge und Ulrich Schneider verweisen dagegen auf steigende Armutszahlen und werfen den Regierungen der letzten Jahrzehnte fehlende soziale Verantwortung und falsche Weichenstellungen vor.

Renate Dillmann und Arian Schiffer-Nasserie setzen dieser seit Jahren andauernden Debatte über »weniger oder mehr Sozialstaat« grundsätzlichere Überlegungen entgegen. Sie ermitteln in ihrem Buch zunächst, was die sozialpolitischen Interventionen überhaupt nötig macht. Ihre Antwort ist gewiss nicht neu, in dieser Eindeutigkeit aber vor langer Zeit aus der Mode gekommen – in der Sozialwissenschaft allemal: Eine Gesellschaft allumfassend...

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