Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. August 2019, Nr. 196
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06.04.2019 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Zurück ins lebendige Museum der Seele

Über die Rückgabe von afrikanischem Kulturerbe aus europäischen Staaten wird heiß diskutiert. Ein Überblick

Sabine Matthes

Ein Wegbereiter der heutigen Debatte um die Rückführung kolonialer Raubkunst war Léopold Sédar Senghor, der erste Präsident (1960–1980) des unabhängigen Senegal, Dichter, Kunstliebhaber und Sammler europäischer und afrikanischer Werke. Als er 1966 in Dakar die Ausstellung »L’Art Négre« eröffnete, begrüßte er die Leihgaben der europäischen Museen als »Heimkehrer«, als »den feierlichen Besuch unserer Ahnen und unserer Götter«. Sie seien von den Europäern geraubt worden, aber um ihre Botschaft zu verstehen, müssten sie erst wieder in »das lebendige Museum der Seele« zurückkehren. Denn man habe den Afrikanern zwar ihre Kunst geraubt, aber nicht ihre Seele. In Senghors Vision einer afrikanischen Emanzipation, der Négritude, stand die Kunst im Zentrum. Als die »einzige Schrift«, die Schwarzafrika hinterlassen hatte, verkörpere sie das kulturelle Gedächtnis, Geschichte, Identität, Liturgie und Gemeinschaft.

In diesem Sinne appellierte im Juni 1978 der Senegalese...

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