Gegründet 1947 Mittwoch, 16. Oktober 2019, Nr. 240
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
18.03.2019 / Feuilleton / Seite 11

Scham und Beischlaf

Und gelegentlich wird jemand erschossen: Jan Bonnys unpolitischer NSU-Film »Wintermärchen«

Felix Bartels

»Wintermärchen« – der Titel drängt sich auf. Man denkt an Deutschland, Heine, das dumme Sommermärchen von 2006 und müsste noch am ehesten jenes kaum bekannte, späte Drama Shakespeares erinnern, worin gleichfalls das Politische hinterm Persönlichen verschwindet. Denn das passiert in diesem Film, und allein seine Atmosphäre – die hektische Kameraführung, die karge Beleuchtung, worin der Eindruck eines nie enden wollenden Novembers entsteht – wird dem Titelmotiv gerecht. Der Rest hängt so im Raum.

Am Anfang stand, was eigentlich jedem Kunstwerk guttut: dezidierte Beschränkung. Regisseur Jan Bonny wollte die Geschichte des NSU mit voller Konzentration auf die Gruppe selbst erzählen, deren innere Dynamik auf eine Weise erfahrbar machen, die den Zuschauer daran hindert, selbstgefällig im Dünkel des besseren Milieus auf die Akteure zu blicken. Ziel sei, dass sich die »Zuschauer nach dem Film gegen den Film wehren müssen, dass wir ihn nicht abhaken können, dass e...

Artikel-Länge: 3989 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen
Bitte einloggen
Hilfe bei Einlog-Problemen

Abo abschließen

Gedruckt

Printabo

Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €

Online

Onlineabo

24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

19,80 Euro/Monat Soli: 25,80 €, ermäßigt: 12,80 €

Verschenken

Geschenkabo

Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €