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24.12.2018 / Feuilleton / Seite 11

Feinde machte er sich viele

Warum ein ungelebtes Leben hinnehmen? Zum Tod des unnachgiebigen Gesellschaftskritikers Wolfgang Pohrt

Jakob Hayner

Als der 1945 geborene Wolfgang Pohrt als Hilfsschlosser bei Siemens arbeitete, so erzählte er die Geschichte, war er auf einer Feier für 40 oder 50 Jahre Betriebszugehörigkeit. Es war ein proletarisches Trauerspiel, der vom Kapital vernutzte Mensch wurde für seinen aufopferungsvollen Einsatz beklatscht. Ein Kollege machte eine Geste: Da könne man sich ja gleich aufhängen. Pohrt kündigte statt dessen, machte das Abitur nach und fing an zu studieren. »Ich wollte wissen, warum die Menschen ein ungelebtes Leben hinnehmen«, und so landete er bei der Soziologie. Nun war die akademische Soziologie vor allem höherer Unsinn mit gepflegtem Äußeren, so dass Pohrt das Studium abbrechen wollte. Um der Sache noch eine letzte Chance zu geben, ging er zu einem Regal mit Fachliteratur, und bei A wie Adorno und Horkheimer fand er einen schmalen Band namens »Dialektik der Aufklärung«. Die Lektüre bewahrte ihn vor dem Studienabbruch und schärfte seinen Blick auf das Unheil, ...

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