25.08.2018 / Feuilleton / Seite 11

Phallischer Retrobarock

Zum Umgang mit bausozialistischen Ärgernissen in Potsdam-Disneyland

Lena Schiefler

Es knallt in Potsdam. Woche für Woche rückt das Räumungskommando der Polizei aus, um Munition auf Baugrundstücken zu bergen, zu sichern, zu sprengen. In der Nähe des Bahnhofes wurde gerade eine Weltkriegsbombe geborgen, es war nicht die erste. Bautollheit stößt auf Vergangenheit, und auf barocker Bühne wird dabei fortwährend Geschichte entsorgt.

An der Langen Brücke, die Bahnhofsviertel und Neue Mitte verbindet, sitzt oder liegt fast immer ein Mann. Im Hut vor ihm liegen ein paar Cent. Vis-à-vis steht das »Mercure Hotel Potsdam City«. Er starrt darauf. Jeden Tag. Es erinnert ihn an Bukarest, sagt er. Allein wegen der Höhe. An der Fassade des ehemaligen Interhotels, 1966 nach Plänen von Sepp Weber als Entrée zur »sozialistischen Bezirksstadt« gebaut, blättert die Farbe ab. Eine Zeitlang spielte ein riesiges Banner an der obersten Etage auf einen Schwof-Hit von Peggy March an: »In der 17. hat man noch Träume!« Beworben wurde damit eine Tanzbar. Imageproblem...

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