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04.05.2018 / Feminismus / Seite 15

»Die Eltern leben in Agonie«

Tunesien: Jugendliche flüchten vor Perspektivlosigkeit. Ein Gespräch mit Sarra Abidi

Gitta Düperthal

Im Wettbewerb des Internationalen Frauenfilmfestivals in Köln haben Sie Ihr Spielfilmdebüt »Benzine« über die Folgen der Flucht eines jungen Tunesiers nach Europa für seine Familie gezeigt. Der Auswanderer selbst ist aber nicht zu sehen. Warum haben Sie sich für diese Form entschieden, die Geschichte zu erzählen?

Ich schildere sein Leben aus der Perspektive der zurückgebliebenen Familie. Ahmed ist kein Einzelfall. Insgesamt werden seit 2015 mehr als 1.500 Jugendliche in Tunesien vermisst. Ahmeds Eltern sind in großer Sorge; wissen nicht, wo ihr Sohn ist. Wie viele andere junge Männer hat er ihnen sein Vorhaben verheimlicht. Mutter und Vater leben in Agonie und Ungewissheit, versuchen über Anwälte, etwas über seinen Verbleib in Erfahrung zu bringen.

Der reiche globale Norden hat sich erfolgreich vom armen Süden abgekoppelt. Seit in Tunesien jeder ein Visum braucht, um nach Europa zu gelangen, bleibt Jugendlichen nur der illegale Weg über das Mittelmeer, um...

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