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21.04.2018 / Feuilleton / Seite 11

Eine Frage der Schublade

Kenneth Goldsmiths steile Thesen zur Literatur im Zeitalter der Digitalisierung

Florian Neuner

Sind die allgegenwärtige Digitalisierung und das World Wide Web eine Herausforderung für die Literatur? Zweifellos. Merkt man das der zeitgenössischen Literatur auch an? Eher nicht. Zwar werden Bücher und Literaturveranstaltungen heute im Netz genauso beworben wie Olivenöl oder Boxkämpfe. Allein, die Werke, um die es geht – in der Regel Romane und Gedichte – sind in den meisten Fällen ästhetisch von gestern und leihen sich allenfalls ein paar Metaphern aus der Welt der neuesten Kommunikationstechnologien. Gewiss, die Debatten über Lyrik haben sich mit dem Niedergang der Feuilletons zunehmend in Internetforen verlagert, und viele Autoren machen auf ihren Homepages nicht nur Reklame für ihre Produkte. Das Netz ist aber oft bloß der Plan B, wenn etwas nicht (gleich) gedruckt werden kann, und viele Literaturseiten sehen so aus, als wollten sie sich am liebsten gleich zwischen zwei Buchdeckeln materialisieren. Netzpublikationen, die wirklich mit den interaktiv...

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