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16.04.2018 / Feuilleton / Seite 10

Viele Arten des Verschwindens

Mit Musik von Leos Janacek und Georges Aperghis verweist das Ensemble Resonanz auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer

Stefan Siegert

»Wir haben unsre Heimat verloren, was bedeutet: Die Vertrautheit des Alltags. Wir haben unsere Beschäftigung verloren, was bedeutet: Das Vertrauen, dass wir zu etwas nützlich sind in dieser Welt. Wir haben unsere Sprache verloren und mit ihr die Natürlichkeit unserer Reaktionen, die Einfachheit unserer Gebärden und den ungezwungenen Ausdruck unserer Gefühle. Unsere Identität wechselt so häufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind.« So genau und verallgemeinerbar Hannah Arendt, die von den Nazideutschen vertriebene Denkerin, 1943 ihr Flüchtlingsschicksal beschrieb, so empathisch transformiert das neue Programm des Hamburger Ensembles Resonanz die allem Menschenrecht Hohn sprechende Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer und in Europa in große Kunst.

»Disappearances« verweist auf die verschiedenen Arten des Verschwindens und auf die stets kolonialistisch- kriegerischen Ursachen. »Herz der Finsternis«, Joseph Conrads düsterer Text über ei...

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