17.03.2018 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Ich lass’ mir die DDR nicht nehmen, das Erbe muss bewahrt werden«

Gespräch mit Peter Sodann. Über das Leben im sozialistischen deutschen Staat, den Westen – und vor allem über Bücher

Peter Merg und Ronald Weber

Herr Sodann, Sie sind 1961 festgenommen worden. Welche Bücher kann man in einer DDR-Gefängnisbibliothek ausleihen?

Ich erinnere mich an »Die Geburt auf dem Gurkenland« von Boris Gorbatow. Das ist eine Insel in der Sowjetunion kurz vor Alaska. Das Buch war gut. Ich habe auch über Walfang gelesen und kannte dann den Unterschied zwischen einem Bartenwal und einem Zahnwahl. Aber viel habe ich nicht gelesen. Es gab jede Woche nur ein Buch. Und da war natürlich auch jede Menge Mist dabei. Zum Beispiel ein Buch von Paula Busch, der berühmten Direktorin des Zirkus Busch: »Wasserminna«. Grauslich.

Wie waren denn die Haftbedingungen?

Am Anfang war ich mit zwei Menschen in einer Zelle. Ich war ja in Untersuchungshaft bei der Stasi in der »Wächterburg« in Leipzig. Das war schon hart. Ich teilte mir die Zelle mit dem Direktor einer städtischen Schweinemästerei und dem stellvertretenden Direktor der Großmarkthalle. Der eine saß, weil er 200 Tonnen Getreide versc...

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