08.03.2018 / Feuilleton / Seite 10

Die Errettung der Zeit

Das Ich als Kristallisationspunkt einer Epoche: Annie Ernauxs fulminante Erinnerung »Die Jahre«

Jakob Hayner

»Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird.« Dieser Satz ist von schlichter Eleganz, weder nostalgisch noch pathetisch, sondern erfüllt von der Melancholie der Materialistin, die weiß, dass jedes irdische Glück vergänglich ist und dass die Umwälzung des Bestehenden sich auch aus der Idee der Flüchtigkeit speist. Die französische Schriftstellerin Annie Ernaux lässt mit ihm ihr autobiographisches Buch »Die Jahre« enden, eine literarische Beschreibung des Lebens einer 1940 in Frankreich geborenen Frau, die 2008 abschließt, dem Jahr der französischen Erstveröffentlichung. Das deutschsprachige Publikum musste sich nahezu zehn Jahre bis zur Übersetzung gedulden. Das aber hat sich gelohnt. Denn was Ernaux vorlegt, hat mit dem gewöhnlichen Genre des Autobiographischen kaum noch etwas zu tun, das inzwischen vor allem die Ergüsse der von der Kulturindustrie gemodelten Halb- und Vollprominenz (Dschungelcampteilnehmer, Fußballstars, Popsternchen, etc...

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