21.02.2018 / Schwerpunkt / Seite 3

In der Armutsindustrie

Tafeln, Möbelbörsen, Ein-Euro-Jobs: In Magdeburg managen gemeinnützige Firmen das Leben der finanziell Abgehängten. Betroffene bleiben unter sich

Susan Bonath

»Haben die schon auf?«, fragt Gisela F. (Name geändert) zwei entgegenkommende Männer. Der eine trägt einen vollen Rucksack, der andere schiebt einen Buggy mit einer gefüllten Plastiktüte vor sich her. Sie nicken. Der große Ansturm sei heute zum Glück schon vorbei, meint einer und betont: »Ist aber noch was da.« F. zieht ihren blauen Reisekoffer durch das geöffnete Tor über den Hof hinter dem Gründerzeitgebäude. Zielstrebig steuert die 60jährige die Essensausgabe an. Frauen und Männer mit Koffern, Rucksäcken, Tüten oder Kinderwagen laufen an ihr vorbei, Migranten und Deutsche, viele Ältere, wenige Junge. Man kennt und grüßt sich. »Hier sind alle gleich«, sagt F. Gleich arm? Die Tafel hier im Magdeburger Stadtteil Buckau sei schon okay, weicht sie der Frage aus.

Im Ausgaberaum stehen Kisten mit Brot, Nudeln, Fertiggerichten, Gemüse. Ein-Euro-Jobberinnen sortieren die Lebensmittel in Kartons. Geschenkt gibt es sie nicht. »Jeder der kommt, erhält den Inhalt e...

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