20.02.2018 / Feuilleton / Seite 10

Stellensuche

Helmut Höge

Sigmund Freud hielt 1896 vor Wiener Kollegen einen Vortrag, in dem er berichtete, dass etliche seiner Patientinnen in ihrer Kindheit von Familienangehörigen, meist von ihren Vätern, sexuell missbraucht (»verführt«) worden waren. Aus diesem Trauma entwickelten sich Symptome einer »Hysterie«. Freud stieß damit auf derartige Empörung, dass er seine Befunde widerrief: Fortan galten diese Missbrauchsgeschichten als bloße Phantasien. – Bis Jeffrey M. Masson, Projektleiter des Sigmund-Freud-Archivs, ein Buch darüber veröffentlichte: »Was hat man dir, du armes Kind angetan? Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie« (1984). Er wurde daraufhin aus psychoanalytischen Vereinigungen geworfen und wandte sich der Erforschung des Verhaltens von Tieren zu, woraus weitere Bücher entstanden – unbeanstandet.

1994 kam der US-amerikanische Evolutionstheoretiker Stephen Jay Gould noch einmal auf Freuds Hysterie-Theorie zurück. Sie beinhaltet den Gedanken, dass die »R...

Artikel-Länge: 4118 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    18,60 Euro/Monat Soli: 23,60 €, ermäßigt: 11,60 €
  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe