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10.01.2018 / Ansichten / Seite 8

Vorurteil und Strategie

NSU-Prozess: Mehr Macht durch »Pannen«

Claudia Wangerin

Ein Jahrzehnt lang hatte sich die Nürnberger Polizei in den Kopf gesetzt, der ermordete Blumenhändler Enver Simsek habe mit Drogen gehandelt. Daran erinnerte die Nebenklageanwältin Seda Basay am Dienstag in ihrem Plädoyer im Münchner NSU-Prozess. Auch eine Eifersuchtstat hatte die Polizei anfangs in Betracht gezogen. Simsek war am 9. September 2000 erschossen worden – als erstes Opfer einer Mordserie, die bis 2006 noch acht weitere Männer türkischer, kurdischer und griechischer Herkunft das Leben kostete.

2007 sollen dieselben Täter eine Polizistin getötet haben – nach Meinung der Bundesanwaltschaft ein Zufallsopfer. Nachdem der Sicherheitsapparat den »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) so lange nicht zur Kenntnis genommen hatte, dass er ohne Verfolgungsdruck neun Morde begehen konnte, soll sich er sich plötzlich in einen allgemeinen Hass auf den Staat hineingesteigert haben. Dabei hatt...

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