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29.12.2017 / Thema / Seite 12

»Und die Welt dreht ihre Runden«

Vor 40 Jahren erschien Heiner Müllers »Hamletmaschine«. Das Stück entwirft ein Szenario, das bis heute leider nicht an Aktualität verloren hat

Wolfram Ette

Über Hamlet hat Müller einmal gesagt er verkörpere den Typus des Intellektuellen, »der kein Blut sehen kann, aber es saufen will«. Er gibt damit dem Bild des Dänenprinzen, der aufgrund seiner melancholischen Innerlichkeit an der Welt zerbricht, eine dialektische Färbung. Sie erklärt, auf welche Weise die Handlungshemmung, die Hamlet während der ersten vier Akte des Shakespeare-Stücks zeigt, in den sinnlosen Gewaltexzess umschlägt, der den letzten Akt bestimmt. Acht Tote liegen auf der Bühne, der flotte Fortinbras ergreift die Macht, nichts ändert sich. Müller zufolge ist es die objektlose Innerlichkeit des Intellektuellen selbst, die danach dürstet, sich in dem Moment, da die Gelegenheit sich bietet, in reine, bewusst- und folgenlose Gewalt zu transformieren und damit den Mechanismus der Geschichte bestätigt.

Selbstzerstörung des Intellektuellen

Zu dieser psychologischen Dialektik tritt in der »Hamletmaschine« ein politisches Moment hinzu. Hamlet, das ist...

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