02.12.2017 / Wochenendbeilage / Seite 3 (Beilage)

Sozialdemokratischer Nilschlamm

Kurt Tucholsky setzte sich 1926 mit der Haltung der SPD und anderer Parteien der Sozialistischen Internationale zum Weltkrieg auseinander

Ein erschütterndes Zeitdokument liegt vor mir: »Gegen den Strom«, Aufsätze aus den Jahren 1914–1916 von N. Lenin und G. Sinowjew (bei Carl Hoym in Hamburg). Die fünfhundert bedeutendsten Seiten, die im Kriege geschrieben worden sind.

Die Verfasser flüchteten bei Kriegsausbruch aus dem österreichischen Galizien in die Schweiz, dort gaben sie den Sozialdemokraten heraus, dann eine Nummer des Kommunisten, dann zwei Hefte des »Sammelbuchs des Sozialdemokraten«. Dieser Sammelband eben hieß: »Gegen den Strom«. Gegen welchen?

Die Sozialdemokraten der großen kriegführenden Länder waren gleich zu Beginn glorreich umgekippt. Noch in den letzten Julitagen konnte man in Frankreich und in Deutschland sozialistische Proteste lesen, die den Krieg als das charakterisierten, was er war: als einen imperialistischen Streit kapitalistischer Gruppen, dessen Ausgang dem Proletarier auf keinen Fall Gutes bringen konnte; Sieg und Niederlage waren in der Tat für den Arbeiter, der...

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