24.11.2017 / Feuilleton / Seite 10

Altstimmen im November

Eike Stedefeldt

Wenn Ihnen zum wer weiß wievielten Mal ein Fremder über den Weg läuft – oder Sie ihm, da der es nicht mehr kann – und Sie denken: Wo, wann und wie kam der her, so stehen bestimmt der Totensonntag bevor und Sie mit einem Bündel Tanne auf dem nasskalten Friedhof. Sage niemand, das Grab Ihrer Erbtante wäre nicht beizeiten winterfest gemacht worden.

»In Dankbarkeit errichtet von der Sing-Akademie zu Berlin« wurde ein schwarzer Granit mit Reliefporträt. Goldlettern weisen den Fremden als Professor Martin Blumner aus. Für mehr böten sich biographische Lexika an, die jedoch »Leben« als Karriere missdeuten: kalt und leichenblass. Den Menschen muss man mühsam selbst suchen. Und findet mit Glück einen Brief, dessen in feiner alter Handschrift verfasstes Original ein Antiquar für 160 Euro feilhält:

»Verehrter Herr Musikdirektor! Indem ich mir die Ehre gebe, beifolgend Ihnen ein Exemplar meiner soeben erschienenen Duette zu übersenden, ist es mein einziger Wunsch, da...

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