15.09.2017 / Feuilleton / Seite 10

Die zuklappbare Sargcouch

Libretto von Gisela Elsner: Auszüge der Oper »Friedenssaison« in Berlin

Kai Köhler

Die Friedensbewegung hatte schon bessere Zeiten. Heute ist die Kriegsgefahr nicht geringer als in den 1980er Jahren. Doch wo sich jetzt einige tausend Demonstranten gegen die Kriegspolitik versammeln, konnte der Kampf gegen die NATO-Rüstung vor dreißig Jahren zuweilen Hunderttausende auf die Straße bringen.

Der quantitative Erfolg war allerdings oft genug mit politischen Unklarheiten erkauft. Viele Demonstranten forderten gleichermaßen die Abrüstung von Ost wie West – als hätten nicht die USA unter Ronald Reagan eine Politik des Totrüstens verfolgt, als hätte nicht die Sowjetunion konkrete Vorschläge für eine sicherere Welt vorgelegt. Manchmal ersetzte moralische Innerlichkeit die politische Auseinandersetzung: Der Friede müsse im eigenen Herzen beginnen etc. etc., man hört das mitunter heute noch.

Das ist der Preis notwendiger Bündnispolitik. Und wenn man der DKP, der die Schriftstellerin Gisela Elsner (1937–1992) angehörte, einen Vorwurf machen will, da...

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