19.08.2017 / Feuilleton / Seite 11

Zweimal 28 Jahre

Die erste Hälfte mit, die zweite ohne Mauer. Eine Bilanz

Wiglaf Droste (*27. Juni 1961)

An den 13. August 1961, den Tag des Mauerbaus, kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Ich war exakt 47 Tage alt. Seit ich die Welt wahrnehmen konnte und selber denken lernte, war die Mauer schon da. Bloßes Da-Sein ist für sich allein noch kein Argument für oder wider; vieles ist da und oft nicht gut, wie zum Beispiel das Wetter respektive genauer das Gejammere darüber, das doch allein den witterungsabhängig arbeitenden und lebenden Menschen wie Bauern, Gärtnern, Fischern, Jägern, Zimmer- und Bauleuten, Brückenbauern und Einsiedlern vorbehalten sein sollte.

Die Mauer aber war ein Fakt, mit dem ich gut lebte. Relevant war sie für mich nie, auch nicht, als wir im schulischen Erdkundeunterricht den Todesstreifen aus einem Buch abzeichnen mussten. Todesstreifen war und ist für mich bis heute die Bezeichnung für den oft unansehnlichen, unappetitlichen und tendenziell ins Obszöne spielenden männlichen Beinfleischstreifen, der sichtbar wird, wenn weiße ...

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