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22.05.2017 / Feuilleton / Seite 10

Immer auf der Hut

Rasanz, Furor und Klassenliebe: Eine Erinnerung an Karin Struck (1947–2006)

Werner Streletz

Karin Struck war streitbar, als Autorin wie in ihrem Menschsein. Mit der gesellschaftspolitischen »Gruppe 61«, der sie zu subjektiv, zu privat schrieb, geriet sie aneinander; ebenso mit den Chefideologinnen der Frauenbewegung, namentlich Alice Schwarzer. Karin Struck wollte sich nicht diktieren lassen, wie sie den solidarischen Kampf zu führen hatte. In die Annalen ging ihr heftiger Zornesausbruch während einer NDR-Talkshow zum Thema Schwangerschaftsabbruch im Juli 1992 ein, in der fassungslos auch die damalige Bundesministerin für Frauen und Jugend, Angela Merkel, saß.

Karin Struck: Eine Frau und Autorin sieht rot, schreibt an gegen die Zumutungen des Lebens, ihr Werk, zumal die frühen Romane, erinnert mit seiner sprachlichen Rasanz, seinem Furor an eine nun schon recht ferne Zeit, als aufmüpfige Lebensgier noch zu helfen schien.

Am 14. Mai 1947 bei Greifswald geboren, wuchs Struck in Ostwestfalen auf. Ihr Vater arbeitete u. a. als Eisengießer und in der T...

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