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22.05.2017 / Ausland / Seite 7

Der Präsident als Jongleur

Steinmeier zu Antrittsbesuch in Polen. Aufgabe: Warschau auf EU-Kurs halten, um mit seiner Hilfe Macrons Pläne zur EU-Reform auszubremsen

Reinhard Lauterbach, Poznan

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Freitag seinen Antrittsbesuch in Polen abgestattet. Nach außen war die Atmosphäre in den Gesprächen mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Duda locker. Man besuchte das Grab des Unbekannten Soldaten, wo der deutsche Gast mit der dem Anlass angemessenen polnischen Grußformel gegenüber den Soldaten der angetretenen Ehrenkompanie Eindruck machte. Anschließend ein Gang über die Warschauer Buchmesse, wo Deutschland dieses Jahr Ehrengast ist. Dort der erste Riss in der harmonischen Fassade: polnische Demonstranten, die ihren Präsidenten mit dem Sprechchor »Verfassung« an seine zweifelhafte Rolle beim Abnicken der den Rechtsstaat demontierenden Gesetze der Regierung erinnerten und ihm ankündigten »Du wirst noch sitzen«. Duda war wenig amüsiert.

Offiziell beschwor Steinmeier die europäische Aufklärung als »gemeinsames Erbe« – originell gegenüber einer Regierung, die das Land gerade wieder in die Arme des Klerus zurück...

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