02.05.2017 / Inland / Seite 8

»Wissenschaftliche Werke werden fehlen«

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin will den Aufbau ihres Bestands Großbuchhandlungen übertragen. Gespräch mit Peter Delin

Jakob Roth

Die Beschäftigten der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, ZLB, befürchten, dass deren Hauptgeschäft ausgelagert wird: das Anschaffen der Bücher. Darüber werden wir gleich sprechen. Erklären Sie uns bitte zuerst, wie die Bibliothek derzeit ihren Bestand aufbaut.


Der erste Teil des sogenannten Reformmodells wurde bereits verwirklicht. Das heißt, dass wir nicht mehr sämtliche Bücher selbst auswählen. 50 Prozent der Bestellungen werden von der Einkaufszentrale in Reutlingen getätigt, der »Ekz«. Die wählt dabei einen Stamm von 10.000 Titeln aus. Das Angebot orientiert sich aber nicht an den Bedürfnissen einer so großen Bibliothek wie der ZLB. Von ihnen gibt es in der Bundesrepublik nur 15. Deshalb schneidet die Ekz ihr Angebot auf kleinere und mittlere Bibliotheken zu. Am Ende erhalten dann auch wir quasi »Ware von der Stange«.

Die andere Hälfte der Bücher, die die ZLB bestellt, wird von den Fachlektoren der Bibliothek ausgewählt. Doch deren Zahl ist zuletzt reduziert worden, die Personen müssen sich jetzt mit anderen Arbeitsgebieten herumschlagen. Dabei ging eine Menge an Knowhow verloren, denn die Lektoren haben zehn oder fünfzehn Jahre einzelne Sachgebiete bearbeitet.

Derzeit wird eine erneute Umstellung des Bestandsaufbaus diskutiert. Was können Sie darüber sagen?

Sie stellt eine weitere Radikalisierung dar. Der Managementdirektor will, dass nicht nur 50 Prozent der Beschaffung ausgelagert werden, sondern 90 Prozent. Wenige Großbuchhandlungen sollen den Bestandsaufbau übernehmen. Darunter wäre zum Beispiel die Kette Hu...

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