20.04.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

Eine verschwundene Welt

Flucht, Verfolgung und Gedanken an unbeschwerte Tage: Eine Reportage aus Aleppo

Karin Leukefeld, Aleppo

Die Eisenbahn in Aleppo fährt wieder. Laut erklingt ihr tiefes Horn, als sich die Waggons am Bagdad-Bahnhof langsam in Bewegung setzen.

Der Name des Bahnhofs geht auf eine Zeit zurück, als der Zug von Aleppo über Mossul nach Bagdad fuhr, erklärt Joseph, der die Autorin in Syrien meist begleitet. Doch die schönste Strecke sei die durch Berge bei Dschisr Al-Schughur nach Latakia gewesen: »Durch die Wälder, durch Täler und Tunnel bis ans Mittelmeer.« Als Jugendlicher hatte er in einem Sommer mit Freunden eine Reise durch Syrien gemacht, bevor die Schule in Damaskus wieder begann. »Die erste Klasse war für uns zu teuer und zu vornehm, in der dritten Klasse teilte man sich das Abteil schon mal mit Hühnern und Schafen, die die Bauern zum Viehmarkt nach Latakia brachten«, erinnert er sich. »Wir fuhren in der zweiten Klasse, mit Trommeln und Flöten, Tanzen und Singen vertrieben wir uns die Zeit, bis wir in Latakia ankamen.«

Das war in einer anderen Welt. Heu...

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