20.04.2017 / Ausland / Seite 2

»Der Stempel wurde quasi mitgeliefert«

Nach der Wahlbeobachtung in der Türkei folgte ein Diskreditierungsversuch durch den Außenminister. Gespräch mit Andrej Hunko

Anselm Lenz

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, AKP, veröffentlichte am Dienstag auf seinem persönlichen Twitter-Account ein Foto, das Sie, den Wahlbeobachter des Europarates in der Türkei, als Sympathisanten der kurdischen PKK zeigt. Doch zunächst: Was können Sie als Wahlbeobachter berichten?

Mein österreichischer Kollege Stefan Schennach (SPÖ, jW) und ich waren als einzige Vertreter des Europarats im Südosten der Türkei in den kurdischen Gebieten. Wir haben in Diyarbakir ein Wahlbüro zufällig ausgewählt, das unserem Hotel am nächsten lag. Dort haben wir festgestellt, dass die Wahlscheine nachgestempelt wurden. Das ist nach türkischem Recht unzulässig. Die Wahlscheine werden normalerweise zentral gestempelt, damit man eine genaue ­Kontrolle hat, wie viele in die einzelnen Wahlbüros gehen. Der Stempel wurde quasi zur Eröffnung mitgeliefert. Danach sind wir nach Sur gegangen (die Altstadt Diyarbakirs, jW).

Was fiel dort auf?

Dort gab es eine extreme P...

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