20.04.2017 / Titel / Seite 1

Finanzpiraten in Seenot

Insider sagen zu »Cum/ex«-Geschäften aus. Sahra Wagenknecht (Die Linke) will Politiker zur Verantwortung ziehen

Simon Zeise

Das wäre ein Schatz: Zehnmal die Steuer vom Staat erstattet bekommen. Was für Einkommen aus Erwerbsarbeit aussichtslos ist, haben sich Kapitalisten über zehn Jahre erbeutet. Zwischen 2002 und 2012 ließen sich Investoren mehrfach die Steuer auf Kapitalerträge für Wertpapiere mit (»cum«) und ohne (»ex«) Dividendenanspruch auszahlen. In einer Höhe von bis zu zwölf Milliarden Euro sollen sich Schätzungen zufolge Finanzpiraten beim Bundeshaushalt bedient haben.

Vor dem Landeskriminalamt Nord­rhein-Westfalens und der Staatsanwaltschaft Köln hätten Zeugen ausgesagt, berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Mittwoch. Dem Artikel zufolge soll es einem Ring von Bankern und Börsenhändlern gelungen sein, sich von Finanzämtern Steuern »erstatten« zu lassen, die zuvor gar nicht an den Fiskus gezahlt worden waren. Ins Plaudern gekommen sein sollen die Bankster, weil sie sich eine geringere Strafe erhofften. Das Maximum liegt für Steuerhinterziehung bei zehn Jahren Haft...

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