13.03.2017 / Feuilleton / Seite 10

»Man muss zum Horizont laufen«

Das Wichtigste ist, dass man dabei die Faust ballen kann. Ein Gespräch mit Daniel Viglietti

Christof Meueler

Sie sind seit 60 Jahren Künstler und verbrachten davon 30 Jahre Jahre in Opposition. War der Wahlsieg der Frente Amplio 2004 ein Happy-End für Sie?

In Uruguay waren fast ein Jahrhundert die Konservativen an der Macht. Ich bin damit aufgewachsen, dass die Linke sehr klein war. Aber als die Frente Amplio 1971 als ein Bündnis verschiedener linker Parteien und Gruppen gegründet wurde, entwickelte auch die Bevölkerung ein größeres Bewusstsein für die Klassenkämpfe, darüber, dass sie in einer »Demokratur« lebte, in einer Mischung aus Demokratie und Diktatur, wie Eduardo Galeano es nannte. 1973 flüchtete ich aus Uruguay, 1984 kam ich zurück. Und als die Frente Amplio die Wahlen gewann, war das wie ein Traum.

Wie politisch waren Ihre Eltern?

Ich komme aus einer traditionellen Familie. Meine Mutter Lyda Indart war Pianistin, mein Vater Cédar Viglietti war Gitarrist und Berufsoffizier. Es gab in Uruguay nur zwei wichtige Parteien: die »Weiße Partei« und die »Rote Part...

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