17.02.2017 / Thema / Seite 12

Das neue Pixelproletariat

Aus der einstmals vielgepriesenen digitalen Boheme sind längst panische Freelancer geworden – immer auf dem Sprung, ohne Rast und Ruh

Timo Daum

Burnout ist die Zivilisationskrankheit der Stunde. Waren in den 1970er Jahren nur zwei Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen, sind es heute rund 15 Prozent. Das ergibt die Auswertung der Daten von 4,8 Millionen Versicherten der Betriebskrankenkassen im aktuellen Gesundheitsatlas des BKK-Bundesverbands. Selbst gegenüber 2003 haben sich die Krankentage mehr als verdoppelt.

Dabei steckt hinter der Diagnose Burnout oft eine schlichte Depression: »Aber in unserer Leistungsgesellschaft klingt die Diagnose Burnout besser, denn wer ausgebrannt ist, kann sich darauf berufen, vorher bis zum Umfallen gearbeitet zu haben«, kritisiert der Freiburger Psychiater Mathias Berger. In den Medien werde gerne der Eindruck vermittelt, Burnout sei eigentlich eine Krankheit der »High Performer« (meistens Männer), während die Depression als vermeintlich weiblich konnotierte Krankheit der Schwachen gelte.

Der Siegeszug des Bu...

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