17.02.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

Unten kommt zuwenig an

Die Kunst der Provokation zwischen Fürstenhäusern und Arbeitervierteln: Im ländlichen Südwestsachsen schwelt der Kulturkampf

Markus Schneider

Die jW-Schwerpunktseiten widmen sich anlässlich des Jubiläums »70 Jahre junge Welt« in dieser Woche Themen, die besonders Ostdeutschland, die DDR und den Anschluss von 1990 betreffen.

Das Jahr begann in der Kulturszene Westsachsens mit handfestem Beef: Jens Pfretzschner, ehemaliger Geschäftsführer der Vogtland Kultur GmbH, stellte einen Diss-Track gegen seinen früheren Chef, den Landrat des Vogtlandkreises Rolf Keil, ins Netz. Wie unter alten Hip-Hop-Gangstern (beide Herrschaften sind Mitglieder der CDU) üblich, rappt der 51jährige über den Beat von Deichkinds »Leider geil« sein ganz persönliches Schmähgedicht. »Leider Keil« heißt es, der »kleine Mann aus Schöneck« wird darin bezichtigt, »sich ’n Dreck um uns’re Region« zu scheren, das Geld zu verprassen, sich wie ein Fürst aufzuführen und überhaupt schlecht für alles und jeden zu sein.

Der politische Führungsstil trägt im Vogtland hin und wieder autokratische Züge. Pfretzschner, früherer Chef des kr...

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