30.11.2016 / Thema / Seite 12

Der verhinderte Reformer

Im November 1956 wurde der Philosoph Wolfgang Harich festgenommen. Die DDR-Führung warf ihm vor, den Sozialismus abschaffen zu wollen

Andreas Heyer

Die ersten Jahre der DDR standen im Zeichen des Aufbruchs. Manche hören es heute nicht mehr gern. Ja, es ist sogar unerwünscht, daran zu erinnern. Der Krieg Hitlers hatte Europa einschließlich Deutschlands zerstört. Unter den Trägern und Bewahrern der fortschrittlichen deutschen Kultur im In- und Ausland bestand Konsens darüber, dass alles getan werden müsse, um für immer zu verhindern, dass der Faschismus zurückkehre. Krieg sollte kein Mittel der Politik mehr sein.

Nach 1945 war der Marxismus-Leninismus keine fertige, abgeschlossene Lehre. Ganz im Gegenteil. Die Intellektuellen in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR waren sich darin einig, dass er mit Leben gefüllt werden müsse, weiterzuentwickeln sei. So kam es in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren zu zahlreichen, auch fruchtbaren, Diskussionen, die heute weitgehend vergessen sind. Teilweise sicherlich, weil sie schlichtweg nicht in das gewünschte Bild von der DDR passen.

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