Gegründet 1947 Montag, 17. Juni 2019, Nr. 137
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25.11.2016 / Feuilleton / Seite 10

Im Menschenkäfig

Kreuzberger Notizen

Eike Stedefeldt

Im Streit ein Paar. Sie schwärmt von einem schönen reichen Baron. Er, zornig: Dann bums’ deinen Maximilian doch! Sie, ruhig: Das tue ich. Er, lächelnd: Ich auch. Sie, wütend: Ihr zwei Schweine!

Es gibt Sätze, die einen früh auf den Weg schicken. Etwa als Viertklässler, den bei dieser Szene statt Befremden ein zartes Gefühl erfasst. Dem dies »Ich auch« sagt, wer er ist und immer sein will.

Dass Bob Fosses »Cabaret« 1972 für acht Oscars gut war, aber Christopher Isherwood zufolge »sehr, sehr weit« entfernt von seiner autobiographischen Vorlage »Goodbye to Berlin«, kann so ein DDR-Junge nicht wissen. Als er sich den nur im Westen verlegten Roman mühsam beschafft hat, füllt längst Aufregenderes aus Ostverlagen sein Regal: Baldwin, Capote, Genet, Mann, Williams.

Wie absurd der Gedanke, er würde eines Tages selbst nach Westberlin ziehen, sich Jahrzehnte später die alte Ullstein-Ausgabe greifen und festlesen, weil da steht: »Was, Christoph – du willst hier wohnen, ...

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