07.10.2016 / Feuilleton / Seite 11

»Was Philosophie sein kann«

Tabak, Duktus, Kunst, Marxismus und Zentralfragen: Erinnerungen an Ernst Bloch. Ein Gespräch mit Gert Ueding

Reinhard Jellen

Herr Ueding, wie haben Sie Ernst Bloch kennengelernt?

Ich bin in das Haus eingezogen, in dem Bloch in Tübingen wohnte. Die erste persönliche Begegnung fand dort statt. Ich war Student im dritten Semester und saß spät in der Nacht noch an meinem Schreibtisch, in eine Seminararbeit vertieft, als Ernst Bloch nach einem zaghaften Klopfen in meiner Tür stand. Der Besuch hatte einen ganz pragmatischen Grund: Ihm war der Tabak ausgegangen, und er wusste von mir aus seinem Seminar, dass ich ebenfalls Pfeifenraucher war. Er setzte sich dann, stopfte sich die Pfeife, und so kamen wir ins Gespräch. Aus diesem Ereignis wurde dann eine Regel: Er kam häufig zu mir herunter, wenn er fertig mit dem Schreiben war, aber noch nicht müde genug, um ins Bett zu gehen. Wir unterhielten uns über alles, über politische Fragen und philosophische Probleme aus dem Seminar, und er erzählte Anekdoten, Geschichten, philosophische Parabeln, und zwar so, wie ich noch nie einen Menschen er...

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