23.06.2016 / Feuilleton / Seite 11

Revolution als Beruf

Das war der wilde Buchhandel der 1970er Jahre: Uwe Sonnenberg erforscht den ­bundesdeutschen Linksradikalismus ohne Häme und Ressentiment

Markus Mohr

Ende Mai 1977 kam es in Westberlin zu einem dreitägigen Treffen des Verbandes Linker Buchhandel (VLB) an dem 150 Linksradikale teilnahmen. Diskutiert wurde hauptsächlich die Frage, ob der VLB »Gesammelte Texte der RAF« herausgeben solle. Angefragt hatten Unterstützer der RAF-Gefangenen, die in Stuttgart-Stammheim angeklagt waren. Die Diskussion soll sehr lebhaft gewesen sein.

In der Frankfurter Sponti-Postille Pflasterstrand konstatierte anschließend Heipe Weiss, Mitarbeiter der lokalen Karl-Marx-Buchhandlung, dass sich die »Gesellschaftsordnung als Ganzes (…) in einem Zustand sumpfartiger Fäulnis« befinden würde, wobei der linke Buchhandel »weder mit dem Sumpfe selbst noch mit den ihm entweichenden Irrlichtergasen verwechselt werden« solle. Man solle sich nicht als »legaler Arm« der RAF instrumentalieren lassen, der bewaffnete Kampf stehe »nicht auf der Tagesordnung«. Und doch ging es um eine »unzensierte Öffentlichkeit«, die dafür Sorge tragen sollte, da...

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