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13.06.2016 / Feuilleton / Seite 11

Perfektion und Verfremdung

Verloren geglaubte Lieder: Das Semer-Ensemble um Alan Bern spielt jüdische Musik aus dem Berlin der 30er Jahre

Guido Diesing

Ein letztes Wort, ein letzter Gruß, vorbei« – wenn die CD »Rescued Treasure« mit diesen wehmütigen Zeilen endet, dann war das mehr als der Abschied zwischen zwei Menschen. Als die jüdische Schauspielerin Dora Gerson 1935 das Lied »Vorbei« für das Berliner Semer-Label aufnahm, war die Vertreibung der Juden aus dem deutschen Kulturleben in vollem Gange. Nach den Rassegesetzen der Nazis war es Juden nicht mehr erlaubt, vor nichtjüdischem Publikum aufzutreten. Das 1932 von Hirsch Lewin gegründete Label Semer bot jüdischen Künstlern noch für einige Jahre die Möglichkeit, ihre Musik auf Schellackplatten zu veröffentlichen. Dann war auch das vorbei. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Lager mit Lewins Schellackplatten im Berliner Scheunenviertel zerstört.

Jetzt hat das Semer-Ensemble des US-amerikanischen Musikers Alan Bern einige der verloren geglaubten Lieder neu aufgenommen. Dabei konnte Bern auf die Vorarbeit des Bonner Musikethnologen und Sammlers Rai...

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