Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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11.06.2016 / Thema / Seite 12

Menschliches, Allzumenschliches

Was der Umgang des Menschen mit dem Hund über ihn selbst aussagt. Ein Text von Karl Kraus aus dem Jahr 1916 aus Anlass seines 80. Todestags

Polemik gilt als ungehörig. Wer sich ihrer bedient, zumal dann, wenn er es mit Geist und Witz tut, wird als unsachlich abgefertigt. Tritt er gegen die Niedertracht an, von der behauptet wird, sie diene dem Wohl aller, darf er Ächtung erwarten, weil er eine unangenehme Wahrheit ausspricht und ein Herrschaftsverhältnis aufdeckt. Daher der besondere Eifer, alles mit sinnentleerter Phrase zuzukleistern, die immer die Lüge mit sich führt. Der Krieg, der Menschen in ein Schlachthaus sperrt? Wird um der Menschlichkeit willen geführt. »Sozialreform«, die etliche in Armut stürzt? Soll sie wieder in Lohn und Brot bringen.
Der »Journaille«, die sich solcherlei zurechtlügt, war Karl Kraus in tiefster Verachtung verbunden. Der 1874 im Böhmischen geborene Österreicher führte als Solitär einen lebenslangen Feldzug gegen die »Pressköter« und »Tintenstrolche«. Kraus war überzeugt, dass der Schlendrian in der Sprache Ausdruck der Verwahrlosung im allgemeinen ist. Oder zug...

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