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11.06.2016 / Feuilleton / Seite 10

Selfies vor wechselnden Kulissen

Den Neoliberalismus unbekümmerter angehen wollen: Die 9. Berlin-Biennale vereint Systemtreue und Kapitalismuskritik für Hipster und andere Ratlose

Matthias Reichelt

Was ist von der 9. Berlin-Biennale zu erwarten, von der die Direktorin Gabriele Horn laut Berliner Zeitung sagt, sie präsentiere Kunst von Leuten, die mit dem »Neoliberalismus unbekümmerter umgehen«? Und die unter Verweis auf die britische Netzphilosophin Josephine Berry Slater meint, dass die Moderne und ihr Diktum, Kritik sei möglich, hinter uns lägen?

Die Präsentation der 9. Berlin-Bien­nale im Internet sieht aus wie die Werbung für ein Parfüm. Schon die Pressekonferenz vergangene Woche bot blumige Texte, poppige Begriffe, von allem ein bisschen, so dass niemand aus dem gefüllten Auditorium des Allianz-Kulturforums auch nur eine Frage hatte. Alexander Farenholtz, Vorstandsdirektor der Bundeskulturstiftung, die die Berlin-Biennale mit 2,5 Millionen Euro unterstützt, lobte vorab die Schau ausdrücklich, weil sie niemandem mehr das Gefühl vermittele, auf der richtigen Seite stehen zu können, wie das andere Biennalen zuvor getan hätten.

Gemeint war hie...

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