11.06.2016 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Gegen Neofaschismus hilft nur Aufklärung«

Gespräch mit Erhard Stenzel. Über seinen Weg in die Résistance, das Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich und seinen Neustart in der DDR

Horsta Krum

Als das Land Brandenburg Sie während einer Feierstunde am 22. April für besondere Verdienste ehrte, erhielten Sie sehr viel Beifall. Ihre Biographie ist geprägt von Ihrem antifaschistischen Engagement. Wann und wie wurden Sie zum Antifaschisten?

Das kann ich ganz genau sagen. Es war am 2. Mai 1933 in Freiberg in Sachsen, als die Nazis meinen Vater in den frühen Morgenstunden abholten. Ich sah als achtjähriges Kind mit an, wie mein Vater die Treppe hinuntergestoßen und in einen LKW gedrängt wurde. Damit setzten die Nazis ihr Verbot der Gewerkschaften in die Tat um: Mein Vater war Kommunist, Metallarbeiter und in der Gewerkschaft aktiv. Meine Mutter, die Textilarbeiterin war, hatte es nun besonders schwer; aber die klare antifaschistische Linie galt weiterhin.

Der Wehrmacht allerdings konnten Sie nicht entgehen, als Sie im sogenannten wehrfähigen Alter waren.

Die Wehrmacht verpflichtete mich im Sommer 1942. Da war ich siebzehn. Mein Beschluss stand v...

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