28.04.2016 / Titel / Seite 1

Beihilfe zur Folter

Außenminister Steinmeier benennt Mitverantwortung deutscher Diplomaten für Verbrechen in der »Colonia Dignidad« in Chile. Akten werden geöffnet

Michael Merz

Eine direkte Entschuldigung war nicht drin. Aber: »Ich verneige mich vor den Opfern«, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag abend in Berlin. Dieser Satz im Zusammenhang mit der Ankündigung, alle Akten, selbst Verschlusssachen, zur Sekte »Colonia Dignidad« zu öffnen, ist eine bemerkenswerte Kehrtwende des Auswärtigen Amts. Bis Mitte der 1980er Jahre duldeten Diplomaten der Botschaft in Santiago de Chile stillschweigend Waffenhandel, Freiheitsberaubung, Folter, Zwangsarbeit, Mord und sexuellen Missbrauch. Pässe der Colonia-Insassen wurden pauschal verlängert, Renten bewilligt und von den Sklaven des pädophilen Sektengurus Paul Schäfer produzierte Waren auf dem Botschaftsgelände verkauft. Menschen, denen die Flucht aus dem hermetisch abgeriegelten Gelände gelang, verwehrten die Diplomaten in vielen Fällen den Schutz. Oftmals wurden sie direkt zurück in die Folterhölle transportiert. Das Prinzip Nichteinmischung galt auch weiter, nachd...

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